Stuttgart – Film aus und Abspann: Bei den Open-Air-Kinos neigt sich die Saison ihrem Ende entgegen. Fast alle LeinwandBetreiber im Land sind mit der Bilanz mehr als zufrieden. Kino unter freiem Himmel erwies sich nach eher durchwachsenen Jahren auch in der Region endlich wieder als Kassenschlager.und Sebastian Grosshans
Ob vor der futuristisch anmutenden Kulisse des Mercedes-Benz-Museums in Stuttgart oder in historischem Ambiente auf der Esslinger Burg: Die Open-Air-Kinos haben in diesem Jahr zigtausende Besucher zu einem Filmabend unter freiem Himmel angelockt. Die in den vergangenen Jahren vom Wetter nicht eben verwöhnten Veranstalter melden enorm gestiegene Zuschauerzahlen – wir haben nach Gründen für den Boom gesucht.
Das Wetter
Wer bei leichtem Nieselregen schon mal stundenlang im Plastiksessel gehockt und dem Thermometer beim Fallen zugesehen hat, weiß: Ohne Sonne macht auch das schönste Filmprogramm keinen Spaß. Das Wetter ist und bleibt der Hauptfaktor für den Erfolg einer Freiluft-Veranstaltung. Ablesen lässt sich das an der Bilanz des im Juli gestarteten Open-Air-Kinos in Herrenberg: Laut dem für Werbung und Finanzen zuständigen Ralph Giesert sorgten kühle Temperaturen vor allem in der ersten Kinowoche für einen Rückgang der Besucherzahl – statt 9500 Besuchern wie im Jahr 2008 wollten nur 7000 Besucher in der Kälte sitzen. Eine der 15 Vorstellungen musste gar wegen Gewittergefahr abgebrochen werden. Gegenbeispiel ist das Fellbacher Open-Air, das erst Mitte August begann und dank Sommerwetter bei nur 800 Plätzen auf 4500 Besucher kam. Auch das Kinospektakel auf der Esslinger Burg meldet Erfolgszahlen: “Wir hatten im August großes Glück mit dem Wetter”, bestätigt Organisator Stefan Hart. Um 21.000 Besucher zu locken, waren in Esslingen zwei Termine weniger nötig als 2008. Gern würde das Kommunale Kino die Spielzeit verlängern – die Ausnahmegenehmigung ist aber auf 13 Tage begrenzt.
Die Kulisse
Um einen lauschigen Sommerabend zum Genuss zu machen, tut ein außergewöhnlicher Blickfang gut. Das Open-Air beim Mercedes-Benz-Museum etwa kann außergewöhnliche Architektur in die Waagschale werfen. Prompt waren die 700 Plätze bei acht der 15 Vorstellungen ausverkauft. Vom einmaligen Ambiente unter Kastanienbäumen profitiert seit Jahren auch der Verein Kinokult mit seinem Open-Air im Hof der Ludwigsburger Karlskaserne. “Mit 27.000 Filmfans hatten wir das beste Ergebnis seit Jahren”, ist Rainer Storz zufrieden. Weil der Filmspaß unter freiem Himmel das anspruchsvolle Jahresprogramm finanziert, ist der Erfolg des Freiluftspektakels für die Kinomacher lebenswichtig. Nur durch drei verregnete Vorstellungen wurde der Rekord von 2003 mit 36.000 Besuchern verfehlt.
Das Programm
Was nützt die schönste Leinwand ohne zugkräftige Filme? Auch die Programmauswahl trägt entscheidenden Anteil zum Erfolg des Open-Air-Kinos bei. Die französische Komödie “Willkommen bei den Sch’tis” erwies sich in der Region als Renner, auch auf Streifen wie “Der Vorleser” und “Ice Age 3″ war im Kino-Sommer Verlass. Dass reine Arthouse-Filme nicht unbedingt Kasse machen, war beim Bodensee-Festival in Singen zu sehen- statt erhofften 13.000 kamen 7500 Besucher. “Komödien laufen immer”, sagt der Esslinger Stefan Hart. Sein Ludwigsburger Kollege Storz sieht in der Mischung aus populären Kassenschlagern und ambitionierten Filmen das Erfolgsrezept. Der Beweis: Den Pink-Floyd-Klassiker “The Wall” wollten in Ludwigsburg immerhin 800 Besucher wieder sehen.
Das Konzept Dass es beim Sommernachts-Kino in Kirchheim/Teck mit 13.000 Karten ein Rekordergebnis gab, liegt laut Reimund Fischer auch an der Aufbauarbeit der Vergangeheit: “Wir haben Jahr für Jahr stetiges Wachstum, das Einzugsgebiet wird größer”, sagt der Veranstalter. Fürs Image gut war das kostenlose Kirchenkino für Kinder, auch die Kür des besten Werbespots lokaler Firmen gilt in der Branche als pfiffige Idee. Auch in Ludwigsburg reicht es nicht, die mit 200 Quadratmeter größte Leinwand der Region und 2700 Sitzplätze aufzustellen. Zum seit 17 Jahren erprobten Konzept gehört auch die Gastronomie mit Cocktails und auf den Film abgestimmtem Speisen.
Das Sommerloch
Dass der Urlaub vor der Haustür in Krisenzeiten immer beliebter wird, ist auch bei den Kinoveranstaltern spürbar – wer schon nicht in den Süden fliegt, gönnt sich wenigstens einen Besuch im Freiluftkino. Auch durch den Trend, die Urlaubsreise in die Pfingstferien zu verlegen, hat sich das einstige Sommerloch verkleinert. “Im August sind mehr Leute da als noch vor Jahren”, wissen die Veranstalter.
Die Zukunft
Sitzkissen und Einstimmung durch Kurzfilme, Fahrradparkplätze und musikalisches Rahmenprogramm auf der Nebenbühne – Ideen für die Verbesserung der Open-Air-Kinos gibt es viele. Vielleicht sollten die Veranstalter aus der Region sich mal diskret in Freiburg erkundigen – beim Branchenprimus im Schwarzen Kloster war dieses Jahr jede Vorstellung ausverkauft…


Vom 21. August bis zum 6. September 2009 lädt das Mercedes-Benz Museum zu 15 Filmnächten unter freiem Himmel ein. Gemeinsam mit verlängerten Öffnungszeiten, der Mercedes-Benz Lounge, Barbecue, Probefahrten und weiteren Specials wird der Kinobesuch zum Sommerhighlight.
Summertime-Party im Mineral-Bad Berg – Open Air Kino und Live Musik, eine Fruchtbowle mit Marilyn Monroe oder James Dean am Beckenrand trinken. Ein außergewöhnlicher Badetag erwartet die Besucher im Mineral-Bad Berg am Freitag den 28. August 2009.







