
Ein Erlebnis für die Sinne: Kino unter freiem Himmel. (Bild: Hanspeter Schiess)
Vor einigen Tagen war Nedaim Bilali mit seinen Kindern im Seebad. Dabei verschwendete er auch einige wehmütige Gedanken daran, dass es dieses Jahr zu keiner Neuauflage des Open-Air-Kinos in der Badi kommen wird. «Wir wären jetzt gerade daran, die Flyer zu verteilen. Das Ganze mag mich», hält Bilali fest. Blick zurück: Im Sommer 2006 hatten Nedaim Bilali und ein Mitorganisator, der bereits seit Längerem fürs Amriswiler Open-Air-Kino verantwortlich zeichnete, zum ersten Mal in Romanshorn Kino an der freien Luft angeboten. Die ersten zwei Austragungen hatten auf der Seeparkwiese stattgefunden, die dritte dann im Seebad. Zu einem Besucheransturm war es nicht gekommen.
Trotzdem: Die Filme hatten ihr Publikum – insbesondere bei gutem Wetter und wenn nicht gerade Konkurrenz durch ein Fussball-Grossturnier bestand. Damit ist es nun vorerst vorbei. Nedaim Bilali verhehlt nicht, dass zwischenmenschliche Probleme zwischen ihm und seinem bisherigen Mitorganisator der Auslöser dafür waren. «Es ging einfach nicht mit uns zweien», sagt Bilali. Er möchte in der Öffentlichkeit aber keine schmutzige Wäsche waschen und hält nur noch fest, er habe beispielsweise zu wenig Einblick in die Besucherabrechnungen erhalten.
Nicht allein im Boot
Nedaim Bilalis Wunsch war es von Anfang an, das Open-Air-Kino trotzdem weiterzuführen. Dafür, dass es nun vorerst nicht so weit kommt, sind vorab finanzielle Gründe verantwortlich. «Es gibt kein Startkapital aus den letzten Jahren.» Zudem sei die Suche nach Sponsoren in der Wirtschaftskrise enorm schwierig. Allein schon für das Mieten einer Vorführmaschine – sie wurde in den letzten Jahren von seinem bisherigen Mitorganisator gestellt – budgetiert Bilali Auslagen von 16’000 Franken. Insgesamt sind es rund 40’000 Franken an Sponsorengeldern, die Bilali auftreiben muss, um einigermassen ausgeglichen abschliessen zu können.
Umso dankbarer ist er, dass er bei seinem Unterfangen, das Open-Air-Kino nicht sterben zu lassen, auf Unterstützung zählen darf. Und zwar von Yvonne Schnyder, Operateurin im Kino Modern, die Bilali schon seit über zehn Jahren kennt. Zudem ist auch Stephanie Zweili mit im Boot. «Ich hörte vor dem letzten Open-Air-Kino, dass noch Helfer gesucht wurden», blickt sie zurück. Sie habe Bilali dann in der Migros angesprochen und schliesslich an der Bar und der Kasse mitgeholfen. Nun unterstützt sie Bilali bei der Neulancierung des Anlasses, weil sie gerne etwas für jenen Ort mache, an dem sie aufgewachsen sei. «Zudem finde ich es ein lässiges Projekt für die Gemeinde.»
«Werden alles dafür tun»
Nedaim Bilali betont: «Wir werden alles dafür tun, dass es das Open-Air-Kino wieder geben wird.» Die Chancen, dass dem so sein wird, beziffert er derzeit auf 50:50. Im ersten Jahr des Open-Air-Kinos sei es auch gelungen, Sponsorengelder von über 20’000 Franken zusammenzubringen – «wir müssen diesbezüglich einfach noch härter arbeiten», so Bilali. Auch Stephanie Zweili zeigt sich optimistisch, dass es durch die einjährige Pause gelingen wird, mit neuen Ideen und Energien zusätzliche Sponsoren zu akquirieren. Die Angst vor einem Verlustgeschäft ist laut Bilali sicherlich da. «Aber wer nichts wagt, gewinnt nichts», hält er fest. Bilali hofft stark auf die Unterstützung von Romanshorner Firmen – und vielleicht von solchen aus Amriswil, wo es mittlerweile kein Open-Air-Kino mehr gibt. «Wir sind für jeden Rappen, der uns zugesichert wird, dankbar – und auch für freiwillige Helfer, falls es tatsächlich zu einer Neuauflage kommt.»
Source: “Für jeden Rappen dankbar” Von Daniel Walt. Read full article at: http://www.thurgauerzeitung.ch/thurgau/oberthurgau/Fuer-jeden-Rappen-dankbar/story/28296238.











No comments yet.