Bad Vilbel, Germany: Open Air Kino im Vilbeler; Open Air Cinema in Bad Vilbel, Germany

Open Air Kino in Bad Vilbel, GermanyDer Petrus-Stuhl fehlt. Das ist Hans Gerd Deunsch sofort aufgefallen. “Sonst stand immer ein einzelner leerer Stuhl ganz vorn vor der Leinwand, das war der Petrus-Stuhl, und niemand durfte sich draufsetzen”, sagt Deunsch.

Kein Wunder also, dass der vergessene Stuhl Petrus erzürnte und er es deshalb in Strömen regnen ließ. So war die Eröffnung des Open Air Kinos im Vilbeler Freibad mit dem Musicalfilm “Mamma Mia!” am Donnerstagabend vor allem eins – nass.

Hans Gerd Deunsch ist ausgerüstet: Er hat eine Seemannsmütze auf, darüber spannt sich ein roter Schirm. “Wenn man zu einem Open Air Kino geht, muss man mit etwas Regen rechnen. Es wird.” Der Vilbeler hat ein Auge für die schöne Seite des Regens und bewundert den Wasserstaub, den der Wind über das Dach bläst.

Ute Steinmetz und Sohn Dennis haben sich an der Kasse Regencapes besorgt und wollen in jedem Fall durchhalten. “Wir haben letztes Jahr bei der Abschlussaufführung drei Stunden vergeblich angestanden, um Mamma Mia zu sehen”, sagt Ute Steinmetz. Bei der Vorführung des Films gab es 2008 einen Besucherrekord. Weit über 1000 Leute hätten damals keinen Platz mehr bekommen, berichtet Dennis DiRienzo vom Kino Alte Mühle.

“Das hier ist für Hartgesottene”, findet Jutta Champ aus . Aber für sie gehört das Open Air Kino im Freibad zum Sommer dazu. Vor elf Jahren hat sie schwanger “Titanic” geguckt, nun ist sie ihrer Tochter zuliebe trotz Regen bei “Mamma Mia!”.

Bis Vorstellungsbeginn dauert es noch eine gute Stunde, doch etliche Zuschauer haben sich schon einen Stuhl gewählt und im Regen platziert. Dabei herrscht alles andere als Platzmangel. Viele Leute warten unter dem Dach des Schwimmbadgebäudes auf besseres Wetter, auch rund um die Verpflegungshütten ballt es sich.

Der Regen macht erfinderisch: Ein Paar nutzt eine Mülltonne als Tischchen für Bier und Wein. Zwei Damen haben sich hinter der Popcorn-Hütte mit der Plane des Hüttendachs einen Unterschlupf gebaut, um im Trockenen essen zu können. Christoph Pötter vom Kino Alte Mühle ist ihnen behilflich. “Sonne ist besser für alle”, sagt er. Die Damen stimmen unterdessen ein Lied an: “We-re singing in the rain!”

Den Regentanz zeigen Anna, Annabell, Luisa und Lana auf der Wiese hinter den Stuhlreihen. Die Mädchen tanzen barfuß. “Wir haben Spaß und machen das Beste draus. Im Kino regnet es sonst schließlich nicht.”

Gegen 21 Uhr nimmt sich Veranstalter DiRienzo das Mikro und verspricht eine Wetterbesserung in zehn Minuten. “Unser Regenradar sagt, dass es in einer halben Stunde aufhört.” Tatsächlich wird es in etwa einer Stunde aufhören. “Wo ist der Petrus-Stuhl?”, ruft DiRienzo ins Mikro.

Einen solchen ersten Abend mit so heftigen Schauern hat er “noch nie erlebt in 17 Jahren Open Air”. Der bleibt in Erinnerung.” 348 Besucher hatten laut DiRienzo Karten für “Mamma Mia!” gekauft, die “eiserne Reserve”, wie er sagt. Etwa zehn Prozent hätten die Veranstaltung wieder verlassen.

Eine durchnässte Zuschauerin äußert sich enttäuscht, dass sie ihr Geld für die Karte nicht zurückbekommen habe. Regen sei bei einem Open Air normal und kein Mangel, entgegnet DiRienzo auf die Kritik. “Es geht um unser Versprechen, so lange Leute kommen, spielen wir.”

Die “eiserne Reserve” kommt bei “Dancing Queen” langsam in Fahrt und spätestens bei “S-O-S” wird gesungen und getanzt.

Petrus schaut auch zu. Sein Stuhl in der vordersten Reieh ist wieder aufgetaucht. Das hat ihn offenbar so sehr besänftigt, dass er auch die kleinen Sterne mitgucken lässt.

Source: “Mamma Mia, was für ein Regen” Von Tina Full-Euler -Frankfurter Rundschau. Read full article at: http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/wetterau/1851128_Open-Air-Kino-Mamma-Mia-was-fuer-ein-Regen.html.

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